“Das ,System Kirche’ jetzt prüfen und verändern“

Sie schlug hohe Wellen: Vor knapp einem Jahr wurde die Studie „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige“ von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht. Das Ausmaß der Verbrechen, das durch das Dokument (auch „MHG-Studie“ genannt) ans Tageslicht kam, erschüttert bis heute. Welche Konsequenzen hat die Kirche daraus gezogen? In Magazin BENE stehen jetzt zwei Vertreter des Bistums Essen Rede und Antwort.

Ursachen sexualisierter Gewalt
Warum wurden Verbrechen nicht aufgedeckt, sondern verharmlost oder gar nicht wahrgenommen? Wie konnte es geschehen, dass Täter geschützt und stillschweigend versetzt wurden?“ Das sind laut Klaus Pfeffer Fragen, die das Bistum Essen derzeit näher untersuchen lässt. Pfeffer ist Generalvikar und damit Stellvertreter von Bischof Franz-Josef Overbeck in allen Verwaltungsaufgaben. „Es gibt viele Ursachen für sexualisierte Gewalt, die mit kirchlichen Strukturen, Haltungen und Lehren zu tun haben“, sagt er. „Wir wollen wissen, was wir verändern müssen – und dann auch Veränderungen vorantreiben.“

Konkrete Punkte nennt Andrea Qualbrink. „Die Frage nach der Ehelosigkeit von Priestern, dem Zölibat ist zum Beispiel relevant“, sagt die Referentin im Stabsbereich Strategie und Entwicklung beim Bistum Essen. Die MHG-Studie habe ergeben, dass der Zölibat „bestimmten Priestern die falsch verstandene Möglichkeit bietet, sich mit der eigenen sexuellen Identitätsbildung nicht ausreichend auseinandersetzen zu müssen.“ Irgendwann könne sich dann so – etwa durch Überforderung und Isolation – die Sexualität als sexueller Missbrauch Bahn brechen.

„Männerbündische“ Strukturen aufbrechen
Die Tatsache, dass nur Männer in der Katholischen Kirche zum Priesteramt zugelassen seien, habe das Vertuschen von Taten befördern können: In „Männerbünden“ sei Loyalität laut der MHG-Studie von Bedeutung. „Darum ist es wichtig, solche männerbündischen Strukturen und Kulturen aufzubrechen“, sagt Andrea Qualbrink. „Es ist unumgänglich, das System Kirche jetzt zu prüfen und zu verändern.“

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Referentin im Stabsbereich Strategie und Entwicklung

Dr. Andrea Qualbrink

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