Katholische Theologie in Bochum bleibt als Fakultät erhalten

Land Nordrhein-Westfalen und Heiliger Stuhl einigen sich, dass die Fakultät erhalten bleibt, obwohl dort keine Priester mehr ausgebildet werden. Ministerpräsident Laschet und Ruhrbischof Overbeck betonen den Wert der theologischen Forschung und Lehre, gerade im Ruhrgebiet.

Grundsätzlich ist die Existenz einer Katholisch-Theologischen Fakultät an die Priesterausbildung geknüpft

Seit 2012 bildet das Bistum Essen seine Priester in Münster aus

Nun hat der Heilige Stuhl zugestimmt, dass die Bochumer Fakultät dennoch als solche erhalten bleibt

Die Katholisch-Theologische Fakultät an der Ruhr-Universität Bochum bleibt auch künftig als Fakultät erhalten, obwohl dort bereits seit mehreren Jahren keine Priester mehr ausgebildet werden. Auf diese bundesweit bislang einmalige Konstruktion haben sich das Land Nordrhein-Westfalen und der Heilige Stuhl verständigt und dies in einem diplomatischen Notenwechsel festgehalten. In einer Feierstunde in der Düsseldorfer Staatskanzlei haben NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und der Päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovi?, am Montagnachmittag diesen Notenwechsel vollzogen.

Vorausgegangen waren intensive Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl, in die sich auch Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck und Ministerpräsident Laschet eingeschaltet hatten. Bislang war für den Heiligen Stuhl das Bestehen einer theologischen Fakultät grundsätzlich an die Priesterausbildung geknüpft. Weil das Ruhrbistum seine Priester aber bereits seit 2012 gemeinsam mit den Kandidaten anderer Diözesen in Münster ausbildet, war die Zukunft der Bochumer Fakultät fraglich geworden. Nicht nur die Kirche im Ruhrgebiet, sondern auch das Land hatten sich jedoch immer wieder für den Erhalt des Fakultäts-Status‘ eingesetzt, an den unter anderem das Promotionsrecht geknüpft ist. Nun verzichtete der Heilige Stuhl auf das Erfordernis der Priesterausbildung – und das Land verpflichtet sich seinerseits zur Fortführung der Fakultät.

Laschet: „Die Frage nach Gott bleibt zentral“

„Die Theologie spielt eine wichtige Rolle im Konzert der Wissenschaften“, begründete Laschet das Engagement des Landes. „Gerade im Ruhrgebiet wünschen wir uns auch für die Zukunft viele geistige Impulse“, etwa im Umgang mit dem technologischen Wandel und der Künstlichen Intelligenz. Die Theologie lasse sich jedoch nicht nur auf ethische Beiträge reduzieren: „Die Frage nach Gott bleibt zentral“, betonte Laschet, Religionen leisteten einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt der Gesellschaft. Es wäre daher „falsch, wenn die neu entstehenden islamischen Lehrstühle zu Lasten der christlichen Theologie gingen“, so der Ministerpräsident. „Wir brauchen eine leistungsfähige Theologie im Austausch mit den Weltreligionen.“

Durch die Einigung „wird das Studium für noch mehr Frauen und Männer geöffnet“, hob der päpstliche Nuntius Eterovi? hervor. Er dankte für den „offenen, konstruktiven Dialog“ mit allen Beteiligten, der letztlich zu dieser Einigung geführt habe. Ein solcher Dialog sei wichtig, „damit auch für andere Fälle gute Lösungen gefunden werden mögen“. Aufgrund der niedrigen Zahlen an Priesteramtskandidaten dürften künftig weitere der derzeit 19 Katholisch-Theologischen Fakultäten in Deutschland vor der Herausforderung stehen, auf die Priesterausbildung verzichten zu müssen.

Overbeck: „Fakultät kann sich weiterentwickeln“

Auch Bischof Overbeck ist dankbar für den Erhalt der einzigen katholischen Fakultät im Ruhrbistum: „Ich freue mich, dass es gemeinsam mit dem Heiligen Stuhl und dem Land Nordrhein-Westfalen gelungen ist, die Zukunft der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum zu sichern“, erklärte er. „So kann sich die Fakultät weiterentwickeln und sich auch künftig mit ihren verschiedenen Disziplinen kompetent und vernetzt in den wissenschaftlichen, kirchlichen und gesellschaftlichen Diskurs einbringen.“

Derzeit studieren an der Bochumer Fakultät rund 750 Männer und Frauen katholische Theologie. Mit ihren zwölf Kernprofessuren deckt die Fakultät alle Bereiche der Theologie ab und gehört zu den Gründungsmitgliedern der 1962 eröffneten Ruhr-Universität. Angesichts der existenziellen Frage für die Zukunft der Fakultät waren auch zahlreiche Professoren und Mitarbeiter zum Notenwechsel in die Staatskanzlei gekommen – und feierten den Erhalt ihrer Fakultät am Abend mit einem Fest auf dem Bochumer Campus. Es sei „nicht zufällig, dass die Lösung des Rechts vom Klerikalismus gerade hier erfolgt“, betonte Dekan Thomas Söding angesichts der besonderen Situation der Bochumer Fakultät. „Wir gehören zum Revier, wo ein Transformationsprozess ruhig auch einmal gelingen darf.“ Söding dankte „der umsichtigen Vermittlungsarbeit des Katholischen Büros und besonders seines Leiters, Antonius Hamers“ und kündigte an, dass die Fakultät „nicht unseren Status quo verteidigen, sondern mit der institutionellen Sicherheit, die wir jetzt Schwarz auf Weiß besitzen, etwas Neues anfangen“ werde. So wolle man „mit jungen Leuten von heute, die sich nicht von vornherein auf die etablierte Kirche und den konfessionellen Religionsunterricht einlassen wollen, neu entdecken, wie die Frage nach Gott den Blick auf die Welt und die eigene Person schärft“.

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