Lammert mahnt im Nahen Osten Dialog der Religionen an

Der ehemalige Bundestagspräsident und Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung sprach am Samstag in der Bistums-Akademie „Die Wolfsburg“ bei den 20. Mülheimer Nahostgesprächen.

In der Region werde es keine dauerhafte Stabilität geben, wenn es keine stärkere Trennung zwischen Religionen und Politik gebe, so Lammert

Als Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung zählt der frühere Bundestagspräsident Norbert Lammert heute zu den Mitveranstaltern der Mülheimer Nahostgespräche

Zum 20. Mal haben am Wochenende namhafte Expertinnen und Experten sowie interessierte Laien die aktuelle Situation im Nahen Osten diskutiert

Kein Frieden im Nahen Osten ohne eine Verständigung der Religionen und eine stärkere Trennung von Religion und Politik: Diese Perspektive stand im Fokus des Festvortrags des früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, der am Samstagabend zum 20-jährigen Bestehen der Mülheimer Nahostgespräche in der Bistums-Akademie „Die Wolfsburg“ sprach. Dabei dürfe den Menschen in Europa die Entwicklung im Nahen Osten nicht egal sein, betonte der Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung: „Wir haben ein vitales Interesse, diese Region nicht sich selbst zu überlassen.“ Dies gelte nicht nur in wirtschaftlicher und außenpolitischer Perspektive, sondern auch hinsichtlich künftiger Migrationsbewegungen.

Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete machte die Analyse in seinem Vortrag am Jahr 1979 fest – einem „Jahr mit fünf geballten Veränderungen, die die Verhältnisse in der Region bis heute prägen“ und die stets von einer Verknüpfung politischer und religiöser Interessen geprägt gewesen seien. Lammert verwies auf

  • das Friedensabkommen von Camp David zwischen Israel und Ägypten
  • den Amtsantritt von Saddam Hussein im Irak
  • die blutig niedergeschlagene Besetzung der Großen Moschee in Mekka
  • den Einmarsch der UDSSR in Afghanistan
  • den Sturz des Schah im Iran durch die Islamische Revolution unter Ajatollah Chomeini

„Religionen handeln von Wahrheiten, Politik von Interessen“

Lammert betonte: „Religionen handeln von Wahrheiten, Politik von Interessen. Das ist ganz sicher nicht dasselbe – und die Vermischung des einen mit dem anderen schafft mehr Probleme als sie zu lösen vorgibt.“ Mit Blick auf den Nahen Osten machte er sich die Haltung vieler Experten zu eigen: „Ohne die Bereitschaft der in der Region dominierenden Religionen zu einer fundamental-kritischen Betrachtung ihrer eigenen Rolle gibt es keine Annäherungsperspektive.“ Zugleich gab er sich skeptisch, dass in absehbarer Zeit eine solche Annäherung gelingt: „Wir groß die Bereitschaft der Religionen zur Selbstkritik ist, sehen wir bei den Religionen in unseren Breiten – sie hält sich sehr in Grenzen.“

Mit Blick auf die Mülheimer Nahostgespräche, die die Bistums-Akademie „Die Wolfsburg“ gemeinsam mit der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Institut für Theologie und Frieden in Hamburg veranstaltet, erwartet Lammert, dass diese angesichts der politischen Lage in der Region „wohl auch noch ihr 25-, 30- und womöglich gar 40-jähriges Bestehen erreichen werden“. Wenn einmal jährlich namhafte Expertinnen und Experten sowie interessierte Laien in der „Wolfsburg“ die Situation im Nahen Osten betrachten, sei es „gut, auch im Langzeitvergleich fühlen zu können, wo es Fortschritte gegeben hat – und zu sehen, dass man anderswo auch schon mal weiter war. Damit leisten Sie mindestens einen wichtigen Beitrag zum Verständnis dieser Region“, würdigte Lammert die Gesprächsreihe.

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